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  • Sonja Kuhl

Wie Stress unsere (mentale) Gesundheit prägt


Eine Person – umgeben von Laptop und Büchern – hat den Kopf aus Stress auf Arm und Schreibtisch gelegt.
Gestresst bei der Arbeit: Die Anforderungen unserer Welt können ganz schön überfordernd sein – und sich auf unsere Gesundheit auswirken.

Es ist einfach alles zu viel. Wir atmen schneller, das Herz rast, wir sind schnell gereizt und es fühlt sich an, als würde sich die Welt um uns herum in sich selbst verschließen. Stress so massiv zu spüren ist kein schönes Gefühl, versetzt den Körper in ständige Alarmbereitschaft und kann langfristig dauerhaft zu gesundheitlichen Einschränkungen führen. Anlässlich der Mental Health Week, der Woche der mentalen Gesundheit, schaue ich auf Stress, welche Auslöser und Symptome es gibt und wie Klangtherapie und andere Methoden helfen können, Stress vorzubeugen und Anzeichen zu lindern – für unser allgemeines Wohlbefinden.

 

Inhalt

 

Stress lass nach

Es ist nun knapp zehn Jahre her, dass ich eines morgens nicht mehr aufstehen konnte. Das war nicht der übliche Montagsblues – diese Mischung aus melancholischen Wochenend-Erinnerungen, Müdigkeit und Motivationsmangel. Mein Körper war schwer, mein Kopf war leer und ich völlig emotionslos. Irgendetwas zwischen einer depressiven Phase am Rande zum Burnout gemischt mit einer Anpassungsstörung hat mein Arzt damals diagnostiziert – und mich erstmal krankgeschrieben. Einen ganzen Monat lang. Der Auslöser: Mein Umzug nach Frankfurt gepaart mit einem neuen Job, in dem mehr zu tun war als in regulärer Arbeitszeit menschenmöglich und einem Chef, der micro-managend durch die Abteilung wütete. Und auf meiner Seite: ein geringer Selbstwert, die Unfähigkeit Nein zu sagen zu neuen Aufgaben, wenn der Schreibtisch sowieso übervoll war, und – ganz grundlegend – eine mangelnde Widerstandsfähigkeit gegenüber Herausforderungen.


All das hat bei mir massiven Stress ausgelöst, für schlaflose Nächte, Selbstzweifel und viele Tränen gesorgt – bis ich an besagtem Morgen bewegungslos im Bett lag und offensich wurde: So geht es nicht weiter. Damals dachte ich, dass irgendetwas nicht stimmt mit mir. Heute weiß ich, dass unfassbar viele Menschen unfassbar gestresst sind.



64 Prozent der deutschen Erwachsenen fühlen sich manchmal oder häufig gestresst.

„Stress ist eine Epidemie“ – ein paar Zahlen

„Stress ist eine Epidemie.“ Ich kann mich nicht mehr erinnern, in welchem Seminar ich dieses Zitat gehört habe. Aber Statistiken bestätigen es. Laut einer Erhebung von Statista aus dem Jahr 2021 fühlen sich 64 Prozent der Deutschen manchmal oder häufig gestresst – Tendenz steigend. Und Stress ist die Hauptursache für viele weitere Erkrankungen.

 

Was ist Stress und was sind Ursachen von Stress?

Stress setzt sich aus zwei Teilen zusammen: dem Auslöser und der Art und Weise, wie wir auf diesen Auslöser reagieren. Die Ursachen von Stress können von Person zu Person variieren. Interessant ist: Der häufigste Stressauslöser – laut einer TK-Stress-Studie 70 Prozent – sind hohe Ansprüche an sich selbst. Weitere Ursachen unabhängig von der Studie sind

  • eine hohe Arbeitsbelastung und permanenter Zeitdruck,

  • Konflikte in persönlichen Beziehungen,

  • ständige Erreichbarkeit

  • finanzielle Sorgen,

  • andauernder Lärm,

  • soziale Isolation,

  • lange Autofahrten,

  • Reizüberflutung,

  • Bewegungsmangel,

  • negative Gedanken,

  • etc.

Entscheidend ist, die eigenen Stressauslöser zu identifizieren, um effektive Bewältigungsstrategien entwickeln zu können. Laut TK-Studie lautet die Devise beim Umgang mit Stress für viele: Durchhalten – für immerhin 59 Prozent der Teilnehmenden. Gesund für Körper, Geist und unser Wohlbefinden ist das sicher nicht, wenn wir gegen unseren Körper arbeiten.

 

Fun Fact: Wir brauchen Stress


Mit Stressmangel, Eustress und Distress gibt es verschiedene Arten von Stress.
Neue Erkenntnisse zeigen: Stress ist Stress – ob positiv oder negativ empfunden.

Wir brauchen Stress. Klingt auf das erste Lesen merkwürdig, ergibt aber Sinn, wenn wir uns die verschiedenen Arten von Stress ansehen.

  • Wenn wir zu wenig Herausforderungen haben, wir uns Langweilen, spricht man von Stressmangel. Das geht oft mit einem Gefühl von Bedeutungslosigkeit und Eintönigkeit einher. Weil unser Gehirn ganz ohne Stress nicht aktiviert wird, bilden sich weniger neuronalen Netze, was sich am Ende negativ auf unsere geistige Fitness auswirkt.

  • Wir geraten in Distress, wenn wir uns beispielsweise überfordert fühlen, chronischem Zeitmangel ausgesetzt sind – oder auch unverarbeiteten schweren Schicksalsschlägen. Im Distress werden im Gehirn keine neuen Nervenzellen mehr vernetzt.

Erleben wir also Stressmangel oder Distress, können wir nicht mehr gut funktionieren.

 

Ideal funktioniert unser Gehirn unter Eustress – zum Beispiel, wenn wir uns Aufgaben gegenübersehen, die wir gut bewältigen können, . Unser Gehirn ist dann optimal aktiviert durch soziale Aufgaben, und das Interesse Neues zu lernen ist geweckt. Eustress fokussiert unsere Aufmerksamkeit, rationales Denken und emotionale Ausgeglichenheit. Das wiederum trägt dazu bei, das neue Nervenzellen im Gehirn optimal vernetzt werden. Gut für unsere Denkleistung.

 

Zwischenfazit: Eustress ist gut für unser Gehirn und fördert seine Funktion. Aber: Stress ist Stress, und auch nach Eustress-Phasen brauchen wir Erholung.


Stressmangel und Disstress vermindern die Gehirnleistung, können unsere Erinnerungsfähigkeit und Wahrnehmung beeinträchtigen und langfristig sogar Alzheimer und Demenz begünstigen. Diese Auswirkungen sind in Bildungs- und Arbeitskontexten besonders relevant. Denn: Stress kann die Art und Weise, wie wir Informationen verarbeiten und abrufen, verändern. So kann es auch kognitive Funktionen wie unser Arbeitsgedächtnis und Entscheidungsprozesse beeinflussen.

 

Innere Unruhe: Was passiert im Körper, wenn wir gestresst sind?

Stress versetzt den Körper bestenfalls nur kurzzeitig in Alarmbereitschaft. Hormone wie Cortisol und Adrenalin werden ausgeschüttet, die uns in einen Flucht- oder Kampfmodus versetzen. Diese akute Stressreaktion kann in bestimmten Situationen nützlich sein, zum Beispiel wenn besonders viel Energie gebraucht wird oder wir plötzlich schnell reagieren müssen. Akuter Stress tritt kurzfristig auf und kann sogar motivierend wirken. Chronischer Stress, der über längere Zeit anhält, kann sowohl unsere mentale als auch körperliche Gesundheit beeinträchtigen . Im schlimmsten Fall geraten wir in eine dauerhafte Erschöpfungsphase.

 

Von Kopf bis Herz: Was sind Symptome von Stress?

Eine Grafik zeigt die verschiedenen Stress Symptome.

Stress kann eine ganze Reihe von körperlichen und emotionalen Symptomen hervorrufen. Zum Beispiel:

  • Gereiztheit

  • Bauchschmerzen

  • erhöhter Blutdruck

  • geschwächtes Immunsystem und dadurch ständige Erkältungen

  • Nacken-, Kopf- und Rückenschmerzen

  • Probleme mit der Verdauung

  • Gewichtszunahme

  • Schwitzen

  • Schlafprobleme

  • Konzentrationsschwierigkeiten

  • und viele mehr.

Solltest du eines oder mehrere dieser Symptome feststellen, solltest du unbedingt mit deiner Ärztin oder deinem Arzt darüber sprechen, um bei Bedarf Behandlungsmöglichkeiten zu finden. Denn wenn Stress chronisch wird, kann er langfristig Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System haben, Stoffwechselstörungen begünstigen, psychische Erkrankungen und Allergien auslösen. Man kann also sagen, dass chronischer Stress einer der Hauptauslöser für viele Volkskrankheiten ist.

 

Stress lass nach – Stress abbauen mit Entspannungsübungen

Entspannungsübungen können dir helfen, Stress kurzfristig abzubauen und dein allgemeines Wohlbefinden zu verbessern. Ein paar Beispiele:

  • Meditation Hier lernst du, dich auf eine einzige Sache zu konzentrieren und deine Gedanken zu beobachten. Das kann hilfreich sein, wenn du dich von den Anforderungen des Lebens überwältigt fühlst.

  • Yoga Yoga dehnt nicht nur die Muskeln und baut Spannungen im Körper ab, es beruhigt auch den Geist.

  • Atmen als Soforthilfe Wenn du dich gestresst oder ängstlich fühlst, kann dich langsames Atmen in den Moment zurückholen und beruhigen. Atme langsam durch die Nase ein und halte den Atem mehrere Sekunden an. Dann kannst du durch die zusammengepressten Lippen ausatmen. Alternativ kannst du stattdessen auch Summen. Das schickt die feinen Vibrationen durch den ganzen Körper.

Was bei Stress hilft, ist von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich.

Ich persönlich mag Spaziergänge in der Natur, bei denen ich auf die Umgebungsgeräusche achte. Vielen meiner Klient:innen hilft Sport. Wichtig ist nur, dass die Methode zum Stressabbau kein neues To Do auf deiner ohnehin langen Liste wird.

 

Wie man Stress langfristig entgegenwirken kann, beschreibe ich bald ausführlich in einem weiteren Beitrag, den ich dann hier verlinke.

 

Wie Klangtherapie und Sound Healing helfen können, Stress zu lindern

Während einer Klangmassage stehen Klangschalen auf Brust und Bauch einer Person.
Eine Klangmassage kann Stress reduzieren und das Wohlbefinden steigern.

Klänge sind eine wunderbare Methode zum Stressabbau. Die Beruhigenden Vibrationen und Klänge können die natürlichen Rhythmen unseres Körpers positiv beeinflussen und damit das Gleichgewicht von Körper und Geist wieder herstellen. Das unterstützt das allgemeine Wohlbefinden – sowohl körperlich als auch geistig. Auch dazu schreibe ich demnächst einen ausführlichen Beitrag.

 

Warum ich auch heute nicht stressfrei lebe

Heute bin ich meinem damaligen Chef dankbar für all den Druck und die Selbstzweifel, die ich empfunden habe. Diese Erfahrungen haben den Grundstein gelegt, wofür ich heute stehe. Ich habe damals begonnen Yoga zu praktizieren, Meditieren gelernt, einen Achtsamkeitskurs besucht – und mithilfe einer wunderbaren Therapeutin herausgefunden, wer ich eigentlich bin, was ich will und dadurch viel Widerstandsfähigkeit aufgebaut. The rest is history.

 

Ob ich heute völlig stressfrei lebe? Keineswegs! Die Reise der Stressbewältigung ist eine fortlaufende. Auch ich habe Tage, an denen der Stress überwältigend erscheint. Doch mit den richtigen Werkzeugen, Strategien und ausreichenden Ruhephasen kann ich besser damit umgehen und ein erfüllteres und gesünderes Leben führen.


Hast du Fragen oder spürst du erste Anzeichen von Stress? Schicke mir eine Nachricht.

 

 

Meine Mental Health Week auf Instagram Die dieswöchige Mental Health Week ist eine Gelegenheit für uns alle, die Auswirkungen von Stress auf unsere mentale und körperliche Gesundheit ernst zu nehmen und proaktive Schritte zu unternehmen, um unser Wohlbefinden zu verbessern. Bist du bereit für den ersten Schritt in Richtung eines stressärmeren Lebens? Ab Q1 2024 werde ich mein erstes Resilienztraining in Offenbach bei Frankfurt am Main anbieten. Melde dich für meinen Newsletter an, damit du die Anmeldefrist nicht verpasst. Wenn du nicht so lange warten magst, buche einfach eines meiner Sound Baths oder eine individuelle Klangmassage. Via @anything.sort.of.sound findest du im Laufe der Woche Infos zum Thema mentale Gesundheit und wie du Stress im Alltag reduzieren kannst. Jetzt folgen.

 

Mental Health Day 2023 „Mentale Gesundheit ist ein universelles Menschenrecht“ – das ist das Thema, unter dem der diesjährige Mental Health Day, der Tag der gesunden Psyche, steht. Die World Federation for Mental Health (WFMH) und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) haben den Tag erstmals 1993 initiiert. Seitdem steht der 10. Oktober jährlich im Zeichen der mentalen Gesundheit. 2023 wird die Bedeutung von Mental Health als grundlegendes Menschenrecht hervorgehoben. Weltweit finden lokale Veranstaltungen zum Thema statt – und auch eine Konferenz der Europäischen Kommission in Brüssel bietet eine Plattform, um Bewusstsein für das Thema zu schaffen und Wissen zu teilen .

 

Hinweis: Dies ist kein medizinischer Beitrag, sondern dient lediglich der Aufklärung zum Thema Stress. Solltest du Symptome welcher Art auch immer bei dir bemerken, so lasse diese unbedingt von deiner Ärztin oder deinem Arzt abklären.

 

Quellen:

- TK

- AOK

- Dr. Michael Nehls: „Das erschöpfte Gehirn“ (S. 151/152)

- BIEK Resilienz-Trainer-Ausbildung

- persönliche Erfahrung


Fotos & Grafiken: Pexels/Nataliya Vaitkevich

Sonja Kuhl




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